Mysteriöse Radiopulse aus den Tiefen des Alls

Strahlungsblitze dauern wenige Millisekunden und wiederholen sich nicht - ihre Ursache ist noch unbekannt

Manchester (Großbritannien) / Bonn - Sie waren auf der Suche nach Pulsaren und stießen auf ein neues astronomisches Phänomen: Extrem kurze Ausbrüche von Radiostrahlung, die – im Gegensatz zu Pulsaren – nur einmal aufblitzen und sich nicht wiederholen. Insgesamt vier solche Radiopulse fand ein internationales Forscherteam bei seiner vierjährigen Suche nach neuen Radioquellen. Die wenige Millisekunden dauernden Blitze stammen wahrscheinlich aus fernen Galaxien, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Science“, ihre Ursache sei aber noch unbekannt.

„Bereits vor sechs Jahren haben Kollegen einen ähnlichen Radioblitz gemeldet“, erläutert Teamleiter Dan Thornton von der University of Manchester, „aber damals wusste niemand, aber es sich um ein reales Phänomen handelt. Bei unseren Beobachtungen haben wir nun vier weitere Ausbrüche gefunden, und das beseitigt alle Zweifel an ihrer Existenz.“ Die Radiopulse kamen alle von weit außerhalb der Milchstraßenebene – für die Astronomen ein Indiz dafür, dass die Quellen der Strahlungsblitze sich nicht in der Milchstraße, sondern in großer Entfernung in anderen Galaxien befinden.

Da Thornton und seine Kollegen nur einen sehr kleinen Teil des Himmels nach Pulsaren abgesucht haben, muss es tatsächlich eine sehr viel größere Zahl dieser Radiopulse geben. „Mit unseren Teleskopen hatten wir einfach Glück, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort beobachtet haben“, sagt Michael Kramer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn. „Könnten wir den ganzen Himmel mit Radioaugen betrachten, so würden wir alle zehn Sekunden einen solchen Blitz wahrnehmen.“

Was die mysteriösen Radiopulse auslöst, wissen die Astronomen bislang nicht. Thornton und seine Kollegen fanden keinerlei Zusammenhang mit anderen Strahlungsquellen. Die Forscher diskutieren eine Vielzahl möglicher Ursachen – von kollidierenden Neutronensternen über Sternexplosionen zu verdampfenden Schwarzen Löchern. Doch all diese Phänomene sind zu selten, um die sich aus der Extrapolation auf den ganzen Himmel ergebende große Zahl der Blitze zu erklären. Thornton und sein Team hoffen nun auf schnelle Nachbeobachtungen künftiger Blitze in anderen Wellenlängenbereichen, um die Galaxien zu identifizieren, aus denen die Radiopulse kommen – und so ihrer Ursache auf die Spur zu kommen.

Bildquelle: Swinburne Astronomy Productions

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!