Hagelt es Diamanten auf Jupiter und Saturn?

Denver (USA) - In der dichten Atmosphäre der großen Planeten Jupiter und Saturn könnte es Millimeter bis Zentimeter große Diamanten hageln. Das behaupten zumindest zwei amerikanische Planetenforscher. Ihrer These nach setzen elektrische Entladungen Kohlenstoff-Atome aus Methan-Molekülen frei. Die Atome könnten aneinander andocken und so Rußflocken bilden, die in der Atmosphäre absinken. Unter dem hohen Druck in der tiefen Atmosphäre könnte der Kohlenstoff-Ruß dann zu Diamanten kristallisieren, so die Wissenschaftler auf einer Fachtagung der American Astronomical Society in Denver. Die Idee stößt bei anderen Forschern jedoch auf Skepsis: der Kohlenstoff verdünne sich in der Atmosphäre zu schnell, um Flocken oder gar Diamanten zu bilden.

„Wenn der zunächst amorphe Kohlenstoff in der Atmosphäre absinkt, wird er erst zu Graphit und dann schließlich zu Diamant“, beschreiben Mona Delitsky von California Specialty Engineering und Kevin Baines von der University of Wisconsin den von ihnen vorgeschlagenen Prozess. Tatsächlich haben Beobachtungen der Raumsonde Cassini auffällig dunkle Wolken in der Atmosphäre Saturns gezeigt, die Kohlenstoff-Ruß enthalten könnten.

Dort seien die Bedingungen besonders günstig, so das Forscher-Duo: In einer Tiefe von 6000 bis 30.000 Kilometer vom oberen Rand der Atmosphäre aus könne es Diamanten hageln. Delitsky und Baines schätzen, dass es auf dem Planeten rund zehn Millionen Tonnen Diamanten gibt, die auf diese Weise entstanden sind. Die meisten davon seien kleiner als ein Millimeter, vereinzelnd könnten aber auch Brocken bis zu zehn Zentimetern Größe entstehen.

Bei ihren Kollegen stoßen Delitsky und Baines mit ihrer These allerdings auf Skepsis. So weist David Stevenson vom California Institute of Technology darauf hin, dass Methan lediglich 0,2 bzw. 0,5 Prozent der Atmosphären von Jupiter und Saturn ausmacht. In solchen Systemen, so der Planetenforscher, favorisiere die Thermodynamik eine Durchmischung: „Selbst wenn Kohlenstoff-Staub entstünde, er würde sich auf dem Weg in der Atmosphäre nach unten auflösen und verdünnen – ganz ähnlich wie eine kleine Prise Salz oder Zucker in einer großen Menge Wasser.“

Bildquelle: Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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