Flimmernde Galaxien

Helligkeitsvariationen einzelner Bildpixel erlauben Rückschlüsse auf veränderliche Sterne

Cambridge / New Haven (USA) - Das Licht ferner Galaxien zeigt ein leichtes Flimmern – und daraus lassen sich Informationen über die in ihnen enthaltenen Sterne ableiten. Das zeigt ein US-amerikanisches Forscher-Trio mithilfe von Computersimulationen, sowie der Auswertung von Archivdaten des Weltraumteleskops Hubble. Die Helligkeit einzelner Bildpixel der Riesengalaxie M87 schwanke exakt so, wie es für den Einfluss veränderlicher roter Riesensterne zu erwarten sei, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“.

„Die Helligkeit jedes Pixels einer beobachteten Galaxie schwankt in messbarer Stärke“, so Charlie Conroy und Jieun Choi von der Harvard University in Cambridge, sowie Pieter van Dokkum von der Yale University in New Haven. „In diese Variation kodiert sind Informationen über die stellare Population der Galaxie.“ Das erscheint zunächst verblüffend, denn in der aufsummierten Gesamt-Strahlung eines Systems aus mehreren hundert Milliarden Sternen sollten sich Schwankungen durch veränderliche Sterne gegenseitig aufheben. Doch bei ausreichend hoher Auflösung sinkt, so argumentieren die drei Forscher, die Anzahl der Sterne pro Pixel so weit ab, dass Variationen durch veränderliche Sterne in den nachweisbaren Bereich rücken.

Conroy, Choi und van Dokkum richten ihr Augenmerk insbesondere auf Sterne des „asymptotischen Riesenasts“. Dabei handelt es sich um ein spätes Stadium von Sternen ähnlich unserer Sonne, die sich zu Roten Riesen aufgebläht haben und starke Helligkeitsvariationen auf Zeitskalen von tausend Tagen zeigen. Mithilfe von Computermodellen haben die Forscher Beobachtungen der Riesengalaxie M87 unter Berücksichtigung dieser Riesensterne simuliert. Zum Vergleich hat das Trio dann 52 Aufnahmen dieser Galaxie vom Hubble Space Telescope aus einem Zeitraum von 72 Tagen aus dem Jahr 2005 ausgewertet.

„Wir fanden kohärente Helligkeitsänderungen in den Pixeln, die mit den Vorhersagen unseres Modells übereinstimmen“, stellen die drei Forscher fest. Allerdings zeigt nur etwa ein Viertel der Pixel statistisch relevante Variationen – und gerade darin sieht das Trio einen Beleg dafür, dass es sich in der Tat um einen Effekt durch die Roten Riesen handelt. Denn zufällige Schwankungen durch instrumentelle Einflüsse müssten gleichmäßig in allen Pixeln auftreten. Und der Vergleich von Simulation und Beobachtungen liefert bereits ein Beispiel für künftige Anwendungen der Methode: Die Häufigkeit der Schwankungen zeige, so Conroy, Choi und van Dokkum, dass sich die Sterne in M87 erheblich kürzer auf den „asymptotischen Riesenast“ aufhalten, als es die derzeit besten Sternentwicklungsmodelle vorhersagen.

Bildquelle: Nasa/Esa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!