Der Sternenhimmel im Juni

Planetenreigen am Morgenhimmel - und die Sonne wendet sich wieder gen Süden

Die Nacht vom 20. auf den 21. Juni ist die kürzeste des Jahres: Um 11.14 Uhr am 21. Juni durchläuft die Sonne auf ihrer Jahresbahn den nördlichsten Punkt und wandert von nun an wieder gen Süden. Lediglich zwischen 23.15 Uhr und 3:45 Uhr ist es in unseren Breiten in diesen Tagen dunkel genug, um Sterne und Planeten beobachten zu können.

Nach Einbruch der Dunkelheit sehen wir am westlichen Himmel immer noch den Löwen, das beherrschende Sternbild des Frühlingshimmels. Im Tierkreis folgen auf den Löwen die Jungfrau, das recht unscheinbare Sternbild der Waage, tief im Süden der Skorpion mit seinem rot leuchtenden Hauptstern Antares und schließlich im Südosten der Schütze. Zwischen diesen beiden Sternbildern des Tierkreises ragt ein Teil eines anderen Sternbildes, nämlich des Schlangenträgers.

Hoch am südlichen Himmel stehen im Juni Bootes und Herkules, zwischen ihnen die wenig bekannte Krone des Nordens, der griechischen Sage nach ein Diadem mit einem strahlenden Edelstein, dem Stern Gemma. Östlich des Herkules folgt das Sommerdrei-eck aus den hellsten Sternen der Sternbilder Schwan, Leier und Adler und zeigt uns, dass der Sommer auch am Himmel heraufzieht.

Im Herkules befindet sich mit Messier 13 einer der schönsten Kugelstern-haufen des Himmels. Mit einem guten Fernglas ist der rund 25.000 Lichtjahre entfernte und aus etwa 300.000 Sternen bestehende Haufen leicht zwischen den Sternen Eta und Zeta des Herkules auszumachen. Unter besten Sichtverhältnissen, weitab von jeder störenden Beleuchtung, lässt sich M 13 sogar mit bloßen Augen erkennen.

Gegen Mitternacht erscheint im Süd-osten, links unterhalb des Sommer-dreiecks der Steinbock. Interessant ist dieses eher unscheinbare Stern-bild derzeit, weil sich dort der Planet Saturn aufhält. Mit seinem Ringsys-tem und dem großen, hellen Mond Titan ist Saturn bereits mit einem kleineren Fernrohr ein dankbares Be-obachtungsobjekt.

Saturn ist aber nur die Vorhut eines morgendlichen Planetenreigens: Im Sternbild Fische folgen etwa eine Stunde später Jupiter und Mars. Und nochmals eine Stunde später er-scheint dann tief im Ostnordosten die Venus als Morgenstern. Wie schon im Mai ist der Morgenstern allerdings nicht leicht aufzuspüren und ein freier Blick zum Horizont ist nötig. Denn eine Stunde vor Sonnenaufgang steht die Venus gerade einmal fünf Grad über dem Horizont.

Im letzten Monatsdrittel kommt es zu einer Reihe von Begegnungen des Mondes mit den Planeten. Am Mor-gen des 21. Juni steht der Erdtrabant knapp sechs Grad neben Jupiter, ei-nen Tag später etwa dreieinhalb Grad neben dem roten Mars. Und am 26. Juni begegnet die inzwischen sehr schmale Sichel des abnehmenden Mondes der Venus in etwa zwei Grad Abstand.

Für das letzte Drittel des Monats er-warten die Astronomen außerdem die Sternschnuppen der Juni-Bootiden, bei denen es sich um Trümmer des Kometen Pons-Winnecke handelt. In den Jahren 1998 und 2004 zeigte dieser Meteorstrom außergewöhnlich starke Maxima mit bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde. Aller-dings erwarten die Sternenforscher in diesem Jahr keine hohe Aktivität der Juni-Bootiden – doch Überraschun-gen sind nicht ausgeschlossen.

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!