Der Sternenhimmel im Mai

Merkur am Abendhimmel - abgelöst von der Venus als Abendstern

Im Mai stattet wieder einmal der sonnennächste Planet Merkur dem Abendhimmel einen Besuch ab. Etwa vom 5. bis zum 18. Mai lässt sich der flinke Götterbote mit bloßen Augen tief am westnordwestlichen Horizont ausmachen. Eine Stunde nach Sonnenuntergang steht der Planet etwa acht Grad über dem Horizont. Am Abend des 13. Mai steht die dünne Sichel des zunehmenden Mondes knapp drei Grad südöstlich des Merkur und hilft uns bei der Orientierung.

Während der Merkur in der zweiten Monatshälfte wieder in der hellen Dämmerung verschwindet, taucht die Venus dort langsam als Abendstern auf. Ende Mai steht die Venus eine Stunde nach Sonnenuntergang zwar nur vier Grad über dem Horizont. Da sie jedoch viel heller strahlt als Merkur, ist sie selbst so nah am Horizont noch mit bloßen Augen zu erkennen. Am 29. Mai begegnen sich Venus und Merkur in einem Abstand von etwa einem halben Grad. Das entspricht dem Durchmesser des Vollmonds. Mit einem lichtstarken Fernglas oder einem Fernrohr lässt sich dieses abendliche Rendezvous beobachten, freie Sicht zum Horizont vorausgesetzt.

Auf die Sterne müssen wir im Mai lange warten: Erst gegen 22 Uhr ist es dunkel genug, um wenigstens einige Sternbilder zu erkennen. Da die Sonne von Tag zu Tag später untergeht, verändert sich der abendliche Sternenhimmel für den Betrachter schneller als zu anderen Zeiten des Jahres. Tief im Westen verabschieden sich die Zwillinge als letzter Überrest des Winterhimmels von uns. Dort, unterhalb der beiden hellen Sterne Kastor und Pollux, sehen wir als immer noch auffälliges rötliches Gestirn den Planeten Mars.

Auf die Zwillinge folgt im Tierkreis der Krebs, der ebenfalls schon weit nach Westen gerückt ist, und schließlich hoch am Himmel der Löwe, das dominierende Sternbild des Frühlings. Im Süden sehen wir die Jungfrau mit dem auffällig hellen Stern Spika, gefolgt von der eher unscheinbaren Waage.

Oberhalb der Jungfrau finden wir den Bärenhüter Bootes mit seinem roten Hauptstern Arktur. Nach Osten hin schließen sich die Sternbilder Krone und Herkules an, gefolgt von der Leier als erstem Boten des nahen Sommers. Gegen Mitternacht können wir dann am östlichen Himmel bereits das ganze Sommerdreieck sehen, das von den hellsten Sternen der Sternbilder Leier, Schwan und Adler gebildet wird.

In der zweiten Nachthälfte lassen sich im Südosten zwei weitere Planeten beobachten: Auf Saturn im Steinbock folgt Jupiter im Wassermann. Am Morgen des 5. Mai steht der abnehmende Mond fünfeinhalb Grad südlich des Jupiter. Beide Planeten sind bereits mit einem kleinen Fernrohr lohnende Beobachtungsobjekte: Die Ringe des Saturn sind ebenso zu erkennen wir Wolkenbänder in der Atmosphäre Jupiters. Und auch die wechselnden Positionen der vier hellen Jupitermonde lassen sich von Tag zu Tag verfolgen.  

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!