Gerade meldet die Nasa erneut eine Verschiebung aufgrund technischer Probleme: Frühestens am 6. März beginnt die zehntägige Mission Artemis II mit vier Astronauten an Bord

Es ist ein historischer Moment: Nach über 53 Jahren machen sich erstmals wieder Astronauten auf den Weg zum Mond. Nach dem erfolgreich unbemannten Testflug Artemis I um den Mond Ende 2022 soll das neu entwickelte System aus der Schwerlastrakete SLS und dem Raumschiff Orion jetzt erstmals mit einer vierköpfigen Besatzung an Bord getestet werden.

Zehn Tage soll die Mission insgesamt dauern. Bereits etwa zwei Stunden nach dem Start vom Kennedy Space Center am Cape Canaveral in Florida, der nach derzeitigen Planungen am 7. Februar um 3:41 MEZ stattfinden soll, zündet die Oberstufe des SLS und schießt das Raumschiff aus der Erdumlaufbahn Richtung Mond. Vier Tage später erreicht Orion den Erdtrabanten, schwenkt jedoch nicht in eine Mondumlaufbahn ein, sondern nutzt die Schwerkraft des Mondes, um in eine Rückflugbahn zur Erde einzuschwenken. Am 17. Februar erfolgt dann der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und schließlich der „Splashdown“ im Pazifik.

Das wirkt zunächst einmal wenig spektakulär: Im Dezember 1968 flogen mit Apollo 8 erstmals Menschen zum Mond, damals schwenkte das Raumschiff sogar in eine Mondumlaufbahn ein. Und im Vergleich schneidet auch die Trägerrakete SLS schlecht ab: Mit etwa 27 Tonnen ist ihre Nutzlast für den Mondflug nur halb so groß wie jene der Saturn V, mit der Apollo 8 zum Mond geschossen wurde. Zudem sind die SLS-Raketen im Gegensatz zu den von SpaceX entwickelten Trägerraketen nicht wiederverwendbar.

Die Orion-Kapsel ist allerdings deutlich geräumiger als Apollo und bietet mit einem bewohnbaren Volumen von knapp neun Kubikmetern jetzt vier Astronauten Platz. Die drei Apollo-Astronauten mussten sich mit 6,2 Kubikmetern begnügen. Zusätzlich sind etwa zehn Kubikmeter Stauraum für Ausrüstung und Versorgung vorhanden – damit könnten Orion-Kapseln künftig auch erheblich längere Flüge unternehmen.

Und natürlich sind sowohl SLS als auch Orion mit modernster Elektronik ausgestattet, die für eine höhere Sicherheit und Flexibilität bei der Mission sorgen: Die Rechenleistung der Bordcomputer ist 200.000-mal größer als jene der Apollo-Kapseln, der Arbeitsspeicher beträgt 256 MB statt 4 KB, der Festspeicher 2 GB statt 72 KB. So geht es bei diesem Flug auch nicht darum, wie beim Projekt Apollo, als erste Nation zum Mond zu gelangen, sondern um eine Validierung der Systeme unter realistischen Weltraumbedingungen, um das Zusammenspiel von Crew, Bordsystemen und Bodenstation. Außerdem sollen die Astronauten Strahlungsabschirmung, Lebenserhaltungssysteme, Navigation, Kommunikation und Notfall-Prozeduren im tiefen Weltall überprüfen.

Beim Apollo-Projekt ging es den USA darum, technologische Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion zu demonstrieren. Mit hohem Risiko landeten schließlich im Juli 1969 erstmals Menschen auf dem Mond. Da eine langfristige Strategie fehlte, wurde das Projekt bereits 1972 beendet – und das soll dieses Mal nicht passieren. Schritt für Schritt soll eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Erdtrabanten entwickelt werden. Die erste bemannte Mondlandung ist für 2028 vorgesehen, parallel soll eine Raumstation in einer Umlaufbahn um den Erdtrabanten aufgebaut werden. Und für die 2030er Jahre steht schließlich eine dauerhaft bemannte Station auf der Mondoberfläche auf dem Plan.

Im Gegensatz zum Apollo-Programm setzt die Nasa für Artemis verstärkt auf internationale Zusammenarbeit. So wird das Service-Modul des Orion-Raumschiffs von Airbus in Bremen gebaut und HALO, das erste Wohnmodul für die lunare Raumstation, wird von Thales Alenia Space in Italien entwickelt und gebaut. Aber es gibt auch Konkurrenz: So will China ebenfalls noch vor 2030 eine bemannte Mondlandung durchführen und plant mittelfristig den Aufbau einer lunaren Infrastruktur.

Neben der Erforschung des Erdtrabanten soll das Artemis-Projekt mittelfristig als Zwischenstufe für bemannte Missionen zum Mars dienen. Aus Eis am lunaren Südpol könnte sich beispielsweise Treibstoff für Raketen herstellen lassen. Langfristig könnte sich aber auch die Ausbeutung von Rohstoffen auf dem Mond lohnen. Im Zentrum steht dabei die Gewinnung von Helium-3. Dieses Isotop gilt als idealer, nicht-radioaktiver Brennstoff für zukünftige Kernfusionsreaktoren.

Bildquelle: NASA