Exoplaneten: Lebensfreundlicher durch mehr Radioaktivität

Astronomen finden mehr Thorium in sonnenähnlichen Sternen – Zerfallswärme steigert die Chancen für die Entstehung von Leben

Columbus (USA) - Viele Sterne, die unserer Sonne ähneln, enthalten eine deutlich größere Menge des radioaktiven Elements Thorium. Das zeigen Beobachtungen eines amerikanischen Forscherteams. Die Astronomen sehen es als sehr wahrscheinlich an, dass auch die Planeten dieser Sterne mehr Thorium enthalten – und das die Wärme des radioaktiven Zerfalls die Chance erhöht, dass dort Leben entsteht. Die Wissenschaftler berichteten am Montag auf der Herbsttagung der „American Geophysical Union“ über ihre Untersuchung.

Cayman Unterborn von der Ohio State University und seine Kollegen haben die Spektren von acht „Sonnenzwillingen“ untersucht – Sternen, deren Masse, Alter und Temperatur nahezu mit den entsprechenden Werten unserer Sonne übereinstimmen. Zu ihrer Überraschung fanden sie, dass sieben dieser Sterne deutlich mehr Thorium als die Sonne enthalten – in einem Fall sogar das 2,5-fache. Da Sterne und ihre Planetensysteme aus der gleichen Materie entstehen, sollte sich dieser Unterschied auch in der Zusammensetzung der Planeten widerspiegeln, argumentieren die Forscher.

Der radioaktive Zerfall von Thorium würde im Inneren der Planeten 25 Prozent mehr Wärme erzeugen als der vergleichbare Prozess im Erdinneren. „Wenn diese Planeten wärmer sind als bislang vermutet, dann vergrößert das letztlich die lebensfreundliche Zone um die Sterne“, erläutert Unterborn. Die zusätzliche Wärme könnte zudem die Plattentektonik auf den Planeten verstärken und dadurch auch mehr Wasser aus dem Planeteninneren an die Oberfläche befördern.

Auf der Erde stammt die Zerfallswärme vor allem von Uran. Thorium ist energiereicher als Uran und hat eine längere Zerfallszeit. Die Substanz liefert also nicht nur mehr Wärme, sondern auch über einen längeren Zeitraum. Damit, so Unterborn, hat das Leben auch mehr Zeit sich zu entwickeln. Die Forscher betonen allerdings, dass sie bislang nur eine kleine Zahl von Sternen untersucht haben. Ob das Ergebnis repräsentativ für „Sonnenzwillinge“ ist, müssen also erst Beobachtungen an einer größeren Zahl von Sternen zeigen.

Bildquelle: Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!